Beton - ein Material für den Innenraum? - Kavia
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27 Okt Beton – ein Material für den Innenraum?

Auf der diesjährigen ARCHITECT@WORK Messe war das Schwerpunktthema der Seminare und auch der Ausstellung von Raumprobe der Baustoff Beton.

Diesen Themenschwerpunkt möchte ich auch zum Inhalt meines ersten Beitrags zur Kategorie Baustoff und Material machen. Natürlich könnte man Bücher mit dem Thema füllen aber ich präsentiere euch hier meine ganz persönliche Auswahl an Informationen. Möbelstücke und Wohnaccessoires lasse ich hierbei heute mal aussenvor.

Was ist eigentlich Beton?

Beton ist ein künstlich – aus Gestein und Bindemittel – hergestellter Stein der im Allgemeinen als Baustoff genutzt wird. In den letzten Jahren haben aber auch viele andere Branchen das Material für sich entdeckt. Als Bindemittel für wird Zement verwendet. Die Zuschlagsstoffe – die Gesteine – sind meist Kies und Sand. Durch die Zugabe von Wasser findet eine chemische Reaktion statt die den Baustoff erhärten lässt. Deshalb kann man hier auch von einer nassen Trocknung sprechen.

Siebdruckverfahren von Fabrino

Was macht Beton als Baumaterial so interessant?

Wenn man sich heutzutage in der Baubranche umsieht entsteht kaum ein Gebäude noch ohne den geringsten Einsatz von Beton. Warum ist das aber so? Ganz einfach: Fest – wahnsinnig fest!

Die Druckfestigkeit von Beton beträgt in etwa dem Druck von 200 Kilogramm auf einen Quadratzentimeter. (Quelle: Wikipedia) Inzwischen gibt es aber auch schon deutlich druckfestere Hochleistungsbetone und es finden natürlich weiterhin ununterbrochen technische Entwicklungen statt. Im Gegensatz zum Druck kann Beton mit Zug nicht besonders gut umgehen, man spricht über dem Daumen von 10% Zugfestigkeit der Druckfestigkeit. Brauch man also eine höhere Zugfestigkeit kommt Bewehrungsstahl zum Einsatz und es entsteht der uns allen so wohl bekannte Stahlbeton.

Die Qualitäten und Eigenschaften unterscheiden sich in verschiedensten Punkten:

  • der Trockenrohdichte
  • der Druckfestigkeit
  • dem Ort der Herstellung, der Verwendung oder dem Erhärtungszustand
  • der Konsistenz (steif, plastisch, weich, sehr weich, fließfähig, sehr fließfähig)
  • nach Verdichtung (Rüttelbeton, Stampfbeton, Walzbeton, Fließbeton, Spritzbeton, Schockbeton)
  • nach Zuschlag (Sandbeton, Kiesbeton, Splittbeton)
  • Zusammensetzung (Zementsorte, Zementgehalt, Menge des Anmachwassers (Wasserzementwert), Kornabstufung, Qualität der Gesteinskörnung, Zusatzstoffe und -mittel, Mehlkorngehalt)
  • Verarbeitung (Verdichtung, Nachbehandlung)

(Quelle: Wikipedia)

Beton gibt es auch in vorgefertigten Teilen. Diese Fertigteile werden im Werk vorgefertigt was den Vorteil hat, dass man nicht an die Wetterlage auf der Baustelle gebunden ist, hat aber auch den Nachteil des Transport massiger Bauteile. Momentan ganz oben auf der Beliebtheitsskala: ultrahochfester Beton. Mit dem kann man nämlich filigrane Bauteile herstellen, was noch vor einigen Jahren undenkbar war. Leicht und materialsparend – ist das die Zukunft des Bauens?

Beton im Innenraum

Beton hat sich als Material im Innenraum noch nicht großartig durchsetzen können. Hin und wieder sieht man eine Sichtbetonwand oder eine Küchenarbeitsplatte. Die allgemeine Reaktion auf Beton im Innenraum ist eigentlich so gut, dass man sich die Frage stellen muss warum das Material es nicht schon eher zu uns ins Wohnzimmer geschafft hat.

Bei vielen hat dies eventuell mit den Assoziationen und Erfahrungen zu tun, die unterbewusst immer eine wichtige Rolle bei der Innenraumgestaltung spielen. Hart, kalt und roh sind Stichpunkte die immer wieder in Gesprächen fallen. Wem ebenfalls eher negativ belastete Wörter in den Sinn kommen der hat noch nicht all die neuen Möglichkeiten gesehen mit Beton im Innenraum (und natürlich auch im Außenraum) umzugehen.

Was sollte man bei der Planung von Beton im Innenraum beachten?

Wie bei jedem Material sollte man auch bei Beton immer die Vor- und Nachteile abwägen, wenn man es im Innenraum einsetzen will.

Wichtig ist vor allem, dass Beton mit den Jahren eine Patina bekommt. Diesen Punkt muss man vor allem Bauherren immer wieder klar machen. Will man, dass die Fläche in 10 Jahren noch genauso aussieht wie am ersten Tag ist Beton als Werkstoff die falsche Wahl. Wünscht man sich dennoch Betonoptik muss man mit der Patina leben oder zu einem der täuschend echten Fakes greifen. Beton wie wir ihn kennen hat aber auch viele Vorteile für den Innenausbau. So ist er beispielsweise nicht brennbar, was vor allem für öffentliche Gebäude ein wichtiges Kriterium ist. Außerdem kann er individuell geformt werden. Mit den verschiedensten Zuschlagsstoffen lassen sich auch verschiedene Farbvariationen erreichen. Rot zum Beispiel ist in einer Intensität möglich die einen glatt vom Stuhl hauen kann. Am Schwierigsten ist es schwarzen oder weißen Beton herzustellen. Hierzu sollte man sich immer Fachkundige zur Hand nehmen, die die entsprechenden Referenzen ausweisen können.

Beton im Innenraum und seine Anwendung

Zum einen gibt es natürlich die altbekannten Betone die als Böden, Wände und Deckenmaterial dienen. Ein Zementboden mit einer Stärke von 8 mm kann z.B. bis zu 100 m² fugenlos gegossen werden. Dieser wird geschliffen bis die gewünschte Rutschklasse erreicht ist und danach versiegelt.

Mit Glas als Zuschlagsstoff  kann man einen terrazzoähnlichen Bodenbelag oder eine retroreflektierende Oberfläche erschaffen.

Beton: Glas als Zuschlagsstoff von Fabrino

Glas als Zuschlagsstoff von BlingCreteGlas als Zuschlagsstoff von BlingCrete

 

Glas als Zuschlagsstoff von BlingCrete

Dann gibt es den lichtdurchlässigen oder lichtleitenden Beton mit dem man interessante Lichtverhältnisse schaffen kann und durch partielle Abdunkelungen auch Motive erschaffen kann. Den lichtleitenden Faktor erledigen eingegossene Fasern.

„Damit die Faserenden auf der Oberfläche hell erscheinen, müssen die Fasern durch den kompletten Stein reichen, lichtleitend sein und von der Gegenseite aus angestrahlt werden. Die Lichtquelle dafür kann unterschiedlicher Natur sein.“ (Quelle: Wikipedia)

Lichtdurchscheinend von Luccon

Des Weiteren gibt es noch luftreinigenden Beton von dem sich die Erfinder erhoffen das Klima auf der Erde ein bisschen besser zu machen. Der Beton enthält in diesem Fall das photokatalytische Material Titandioxid. Dazu werden derzeit noch viele Studien durchgeführt.

Beton kann man durch verschiedenste Zuschläge verändern oder aber man nutzt eine andere Technik ihm ein neues Aussehen zu verpassen.

So kann man Beton zum Beispiel mit einer Frästechnik bearbeiten und auf diese Weise Motive entstehen lassen.

Frästechnik von Reckli

Man kann Beton aber auch mit einem Abbindehemmer bearbeiten. Auf einer Folie wird das Motiv mit dem Abbindehemmer aufgebracht und dann in die Schalform gelegt. Dann wird der Beton gegossen. Bei der anschließenden Waschung bildet sich an den Stellen, an denen der Abbindehemmer mit dem Beton in Berührung kam keine Sinterschicht. Die Sinterschicht ist eine glasartige, hellere Verdichtung an der Oberfläche des Materials.

Abbindehemmer von Fabrino

Eine weitere tolle Möglichkeit Motive auf Beton zu bringen ist das Siebdruckverfahren.

Siebdruckverfahren von Fabrino

Eine weitere tolle Entwicklung ist Beton als Material für den 3D Drucker. Dieses Material ist grade erst entwickelt worden und ist 90% günstiger als die bisher verwendeten 3D Kunststoffe.

Was gibt es für Fakes?

Inzwischen auch ein großes Thema sind diverse Fakes die auf dem Produktmarkt so unterwegs sind.

Warum werden Fakes überhaupt gemacht? Ganz klar: Entweder man will Betonoptik ohne Patina oder man will Betonoptik aber leichtes Material.

Hierfür gibt es ein paar Möglichkeiten. Ich möchte euch hier die Schönsten vorstellen.

Porzellankeramik – Porzellankeramik ist mit 3mm Stärke sehr leicht und entwickelt keine Patina. Es besitzt eine höhere Kratzfestigkeit als Granit und ist sehr hitzebeständig. Daher eignet es sich vor allem als Betonersatz im Bereich der Küchenarbeitsplatte.

Spachteltechnik – mit der Spachteltechnik kann Betonoptik überall möglich machen. An den Stellen wo Normalbeton scheitert und Fugen entstehen lässt (z.B. Übergang Boden zu Treppe) kann man mit der Spachteltechnik übergangslose Betonoptikflächen erzielen. Außerdem ist hiermit auch die Gestaltung des Bades möglich, da es eine spezielle Versiegelung für Nassbereiche gibt. Der Nachteil an der Technik ist, dass sie sehr (zeit-) aufwendig ist.

Betontapete – Täuschend echt kommen in letzter Zeit auch Betontapeten daher. Betontapeten entstehen indem Mineralien auf Vlies verarbeitet werden. Wichtig ist zu beachten, dass Betontapeten meist pro Bahn gearbeitet werden, d.h. an den Stößen steht der Planer vor der Herausforderung diese schön zueinander zu bringen.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass ich innerhalb der nächsten Woche hier auf meinem Blog ein Gewinnspiel stattfinden lassen werde.

Es wird ein Designobjekt aus Beton zu gewinnen geben. Näheres dazu mehr in den nächsten Tagen.

Links

http://www.imi-beton.com

http://www.blingcrete.com/de

http://www.reckli.net/

http://www.fabrino.eu/DE/

kavia
mail@kavia-blog.de
3 Comments
  • Simone
    Posted at 10:04h, 07 Februar Antworten

    Sehr schön kann auch die Kombination aus Beton und Holz sein. Habe ich bei einem Bekannten gesehen. Einwand ist „unverkleideter“ Beton und der Fußboden aus dunklem Holz. Sieht wirklich schick aus.

  • Sichtbeton – spröde Schönheit | fein & raum
    Posted at 16:02h, 10 April Antworten

    […] etc. findest Du hier. Viele lesenswerte Infos zum Baustoff an sich gibt es zudem auf dem kavia-blog ). Viele Architekten versuchen eine möglichst makellose Oberfläche und sehr präzise Anordnung […]

  • Wohn Beraterin Alex
    Posted at 16:29h, 09 Oktober Antworten

    Die individuelle Formbarkeit von Beton ist m.E. ein Argument Beton auch als Zukunftsbaustoff bezeichnen zu können. Viele berühmte zeitgenössische
    Bauwerke wurden aufgrund dieser Eigenschaft mit Beton gefertigt. Und im Innenausbau für die individuellen Planungen ist Beton überhaupt bestens geeignet.

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